Unsinn und Sinn

Gedanken zu einem Gedicht von Mascha Kaléko

Kurz nach dem zweiten Staatsexamen hat mir eine gute Freundin ein Gedicht von ihr geschenkt – von Mascha Kaléko (*7. Juni 1907 + 21. Januar 1975). Wenige Zeilen, in denen sich ein Kosmos eröffnet. Gedichte und Epigramme aus ihrem Nachlass ziehen in den schlichten, weißen Nachttisch: “In meinen Träumen läutet es Sturm.”

Der kleine Gedichtband der Künstlerin Mascha Kaléko begleitet mich seit ca. 18 Jahren durch Höhen und Tiefen des Alltags. Und den einen oder anderen Sturm des Lebens. Als Alltagspoesie. Zum Lachen und Weinen, zum Schmunzeln und Nachdenken, zum Zurück- und wieder nach Vorne-Blicken. Zum Ankommen in der Gegenwart, der eigenen Präsenz im Moment. Als Erinnerung daran, dass alles da ist, in jedem Moment. Und als Erinnerung daran, dass wir die Wahl haben, wie wir die Welt in uns und um uns herum wahrnehmen – wie wir uns sehen, in der Geschichte des Lebens.

In zarten, klaren Versen ohne Schnörkel, mit augenzwinkender Melancholie und rationaler Emotionalität holt Dich Mascha Kaléko ab, wo Du stehst. Und stupst die Gedanken an, die durch Deinen Kopf mäandern. Mit manchmal scharfer, manchmal leiser und immer liebevoller Ironie. Wenn neben der Melancholie die Freude lauert und hinter dem Entsetzen das Staunen, bist Du mittendrin in der feinen Wahrnehmung einer Frau, die frei und nah alle Sinne öffnet – für Sinn und Unsinn. Und alles dazwischen.

Der poetische Blick als Weg zum Selbst? Finde Dein Warum – oder findet es Dich?

Das Gedicht “Unsinn und Sinn” fiel mir im Januar 2021 wieder in den Schoß. Warum? In einem Anflug still aufkeimender Wut und tiefer Frustration lag meine Stirn wie eine Zieharmonika in Falten. In der Markenberatung, die ich gebucht hatte, lag die Frage der Fragen auf dem Tisch:

Was ist Dein Warum? Was ist Dein Purpose?

Ja, wtf. Was weiß denn ich? So sehr ich Simon Sineks Art der Kommunikation und auch sein Buch “Start with why” für die Kommunikation schätze – die Frage mit dem Verstand beantworten zu wollen ist ungefähr so wirksam wie einen Goldfisch auf Gras zu setzen. Vielleicht geht’s Dir da anders. Vielleicht kennst Du das: kaum ist die Frage da, marschiert der Denker im Kopf los auf der Suche nach einer Antwort – und zappelt sich ab. Es dauert nicht lange, da melden sich abwechselnd oder gerne auch im Team Frustration, Wut, Scham und Schuld.

Frustration: “So wird das nie was. Das geht so nicht.” Wut: “Was für ein … (*piep*)! Schon wieder. Und jedes Mal das gleiche. Das hab ich doch schon x-mal beschrieben. Reicht’s denn noch nicht? Ist das immer noch nicht gut genug?” Scham: “Also eigentlich müsstest Du das doch längst perfekt auf den Punkt formuliert haben, so dass es alle verstehen.” Schuld: “Jetzt reiß Dich doch zusammen. Kein Wunder, dass Du schon wieder auf der Stelle trittst. Sag doch einfach nochmal, dass Du nicht wieder neu suchen willst und die Frage jetzt nicht dran ist.” So oder so ähnlich – eine Kakophonie an wirklich konstruktiven, ermutigenden Emotionen flutet das System ;-). Und bewirkt: Stillstand. Freeze. Zur Erleichterung der festgefrorenen Stimmung meldet sich die innere Pippi Langstrumpf: “Hey, ich mach’s wie es mir gefällt!” Zack – aus der Reihe getanzt und abgelenkt. Die innere Annika hat keine Chance, das Projekt zu managen, da die Tore zur Villa Kunterbunt der unbegrenzten Möglichkeiten weit offen stehen. Und manchmal ist genau das die Lösung, um raus zu kommen aus dem Kopf in seiner Dauerschleife. Denn die Antwort lauert längst woanders.

Du brauchst keine perfekt formulierte große Vision, keinen BÄM!BUMM!-Purpose, um anzufangen.

Wenn Dich das Leben ruft, dann lass Dich nicht auf- und abhalten. Was jetzt Wesentlich ist, ist kein formvollendetes “WHY”. Und sowieso geht es häufig um andere Dinge als die, die wie eine Karotte vor unserer Nase hängen und Du im “Wenn-Dann”-Spiel verloren gehst. Die Ernsthaftigkeit und Dringlichkeit, mit der im Marketing nach “Why” und “Purpose” gerufen wird, darfst Du wie auch die anderen Erwartungen, die an Dich gestellt werden, sanft kneten und aufweichen. Auf dem Weg. Da wo Dir die Antworten auf die großen Fragen entgegen kommen. Wo sie im Prozess entstehen. Denn sie fallen weder vom Himmel, noch aus Deinem Hirn. Sie wachsen in Dir und Du auf dem Weg in sie hinein. Im Gehen. Wenn Du aufhörst, danach zu suchen und beginnst, die Frage zu leben, wird die Antwort klarer.

Was ich auf meinem Weg gelernt habe? Du kannst die Antworten nicht erdenken, Du spürst sie irgendwann. Und definitiv anders als gedacht!

Dein Wundermittel gegen den WHY-Kater?

Unsinn und Sinn von Mascha Kaléko

Du suchst und suchst. Und kannst den Sinn nicht finden.

Gib’s auf; denn so wirst du ihn nicht ergründen.

Pfeif Dir ein Liedchen, träume vor dich in,

wie oft enthüllt im Un-Sinn sich der Sinn!

Was ist es bei Dir? Was löst das Gedicht aus? Welches Gefühl macht sich breit oder schmal?

Stell Dir vor, Du gehst Schritt für Schritt vor. Du traust Dich jeden Tag eine Chance zu ergreifen, einem Impuls zu folgen. Du probierst Dich aus, springst, stolperst, fällst hin und stehst wieder auf. Was wäre, wenn Dein Vertrauen in Dich und Deinen Weg mit jedem Schritt wächst? Wenn Du mit frischem Geist auf die Zeichen achtest, die sich Dir mit der Zeit immer klarer zeigen?

Seitdem ich mit einem Lächeln und eine Prise Humor mit mir und meinem etwas zu lebhaften (Unruhe-)Geist umgehe, habe ich etwas Wunderbares entdeckt: eine innere Ruhe, die mir hilft, gelassen in mir zu erkunden, was bereits da ist, sich aber gerne versteckt. Es versteckt sich vor allem dann, wenn Du’s zu genau wissen willst und Dich auf der Stelle fest-trittst.

Wie ich die “WHY”-Frage und den Purpose Quest gelöst habe?

Indem ich beschlossen habe, es sein zu lassen. Damit okay zu sein, dass es mehrere Sätze gibt, die ein Gefühl davon vermitteln, worum es bei Your Story Matters geht. Dass ich gerade keine Worte habe, das, was ich als Eindruck einer großen Vision spüre, in Worte zu fassen – und es das auch gar nicht braucht. Dass ich mehr als eine Vision haben darf. Und dass alles, was ich mit Dir und der Welt teilen möchte, ein aufrichtiger Ausdruck ist, der Verbindung schafft. So, dass ich davor und dahinter stehe, ohne mich zu verbiegen oder aufzublasen. Es geht nicht um ein ” Tadaaaa! Achtung – muss nur mal kurz die Welt retten”. Denn: die Erde dreht sich weiter. Ob mit oder ohne uns Menschen drauf. Die Geschichte – die ganz eigene und die gemeinsame der Menschheit – beginnt in jede:r von uns. Es ist, was Du wahrnimmst. Wie Du bist. Was Du beiträgst. Alles in allem ganz einfach, oder? Ja und nein. Nein und ja. Beides.

Als erprobte Sucherin, die gelernt hat, auf “Empfangen” zu schalten, begleite ich Dich gerne auf Deinem Weg.

Mit einem Augenzwinkern, inneren und äußeren Bildern, liebevollen Stupsern, tiefen Verständnis und neuen Perspektiven zum Ausprobieren. Vereinbare gleich Deinen Termin (Anruf. 0178-4589300 oder welcom(at)yourstorymatters.de.

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